Sauerteig ansetzen - einfacher 7-Tage-Plan für Anfänger
Einen eigenen Sauerteig anzusetzen ist viel einfacher, als es zunächst klingt. Du benötigst nur Mehl, Wasser, ein sauberes Glas und etwas Geduld. In dieser Anleitung begleite ich dich Tag für Tag, bis dein Anstellgut aktiv und bereit für das erste Brot ist.
Die angegebenen Zeiten dienen als Orientierung. Temperatur, Mehlsorte und die natürlichen Mikroorganismen beeinflussen, wie schnell sich dein Sauerteig entwickelt. Manche Ansätze sind nach sieben Tagen bereit, andere benötigen zehn bis vierzehn Tage.
Das brauchst du zum Ansetzen
-
Roggenvollkornmehl
-
handwarmes Wasser
-
ein sauberes Glas mit 500 bis 750 ml Inhalt
-
eine digitale Küchenwaage
-
einen kleinen Löffel oder Teigschaber
-
einen locker aufliegenden Deckel
-
ein Gummiband oder einen abwischbaren Stift zum Markieren der Höhe
Roggenvollkornmehl eignet sich für den Einstieg besonders gut. Es enthält viele Mineralstoffe und natürliche Mikroorganismen und bringt einen jungen Sauerteig meistens zuverlässig in Gang.
Das Glas sollte während der Fermentation nicht vollständig luftdicht verschlossen sein. Ein locker aufgelegter oder nur leicht zugedrehter Deckel schützt den Ansatz vor Austrocknung und lässt entstehende Gase entweichen.
Sauerteig ansetzen: der 7-Tage-Plan
Die Entwicklung eines Sauerteigs lässt sich nicht minutengenau planen. Beobachte deshalb immer Bläschen, Volumen und Geruch. Manche Ansätze sind bereits nach sieben Tagen ausreichend aktiv, andere benötigen zehn bis vierzehn Tage.
Tag 1: Der erste Ansatz
Vermische in deinem Glas:
-
20 g Roggenvollkornmehl
-
20 g handwarmes Wasser
Rühre alles gründlich zu einer dickflüssigen Masse. Streiche den Glasrand sauber, markiere die Höhe mit einem Gummiband oder Stift und lege den Deckel locker auf.
Lasse den Ansatz ungefähr 24 Stunden bei möglichst gleichmäßigen 24 bis 27 °C stehen.
Tag 2: Zum ersten Mal füttern
Behalte 20 g des Ansatzes im Glas und entferne den Rest.
Füttere die verbleibenden 20 g mit:
-
20 g Roggenvollkornmehl
-
20 g Wasser
Alles gründlich verrühren, die neue Höhe markieren und erneut ungefähr 24 Stunden warm stehen lassen.
Der Ansatz kann an diesem Tag bereits stark aufgehen. Diese frühe Aktivität bedeutet noch nicht, dass der Sauerteig fertig oder stabil ist.
Tag 3: Eine Ruhephase ist normal
Behalte wieder 20 g Ansatz und füttere ihn mit:
-
20 g Roggenvollkornmehl
-
20 g Wasser
Nach der starken Aktivität des zweiten Tages passiert häufig plötzlich kaum noch etwas. Das ist normal. Die verschiedenen Mikroorganismen im Ansatz müssen sich erst zu einer stabilen Sauerteigkultur entwickeln.
Füttere trotzdem wie geplant weiter.
Tag 4 bis Tag 6: Aktivität beobachten
Wiederhole die tägliche Fütterung:
-
20 g Ansatz
-
20 g Wasser
-
20 g Roggenvollkornmehl
Markiere nach jeder Fütterung die Höhe am Glas.
Wenn sich der Ansatz deutlich vor Ablauf der 24 Stunden verdoppelt und anschließend wieder zusammenfällt, ist sein Futter bereits verbraucht. Du kannst ihn dann entweder alle zwölf Stunden im Verhältnis 1:1:1 füttern oder einmal täglich auf das Verhältnis 1:2:2 wechseln.
Bei 1:2:2 verwendest du:
-
20 g Ansatz
-
40 g Wasser
-
40 g Roggenvollkornmehl
Tag 7 und danach: Ist mein Sauerteig fertig?
Dein Sauerteig ist bereit für das erste Brot, wenn er:
-
sich nach dem Füttern innerhalb von ungefähr vier bis acht Stunden mindestens verdoppelt,
-
viele kleine und größere Bläschen zeigt,
-
angenehm säuerlich, fruchtig oder leicht joghurtartig riecht,
-
dieses Verhalten bei mindestens zwei aufeinanderfolgenden Fütterungen zeigt.
Ist dein Ansatz noch langsam, fütterst du ihn einfach einige Tage weiter. Das ist kein Fehler – ein junger Sauerteig braucht manchmal etwas länger.
Wichtig: Reste aus der Anfangszeit
Die abgenommenen Reste aus den ersten Tagen solltest du noch nicht für Waffeln, Cracker oder andere Lebensmittel verwenden. Die Mikroflora eines jungen Ansatzes ist noch nicht stabil, und Mehl ist ein rohes Lebensmittel.
Entsorge diese Reste im Biomüll oder Kompost. Sauerteigreste gehören nicht in den Abfluss, weil sie dort festkleben und Verstopfungen verursachen können.
Woran erkenne ich einen backbereiten Sauerteig?
Ein Sauerteig ist nicht automatisch am siebten Tag fertig. Entscheidend ist, wie zuverlässig er sich nach dem Füttern entwickelt.
Dein Sauerteig ist bereit für das erste Brot, wenn:
-
sich sein Volumen innerhalb von ungefähr vier bis acht Stunden mindestens verdoppelt,
-
viele kleine und größere Bläschen im Glas sichtbar sind,
-
die Oberfläche am höchsten Punkt noch leicht gewölbt ist,
-
er angenehm säuerlich, fruchtig oder leicht joghurtartig riecht,
-
er dieses Verhalten bei mindestens zwei aufeinanderfolgenden Fütterungen zeigt.
Markiere die Höhe direkt nach dem Füttern mit einem Gummiband. So kannst du zuverlässig erkennen, wie stark der Sauerteig gestiegen ist.
Hat sich die Oberfläche bereits abgesenkt und sind am Glas deutliche Spuren oberhalb des Sauerteigs sichtbar, hat er seinen höchsten Punkt – den sogenannten Peak – schon überschritten. Er ist nicht verdorben, benötigt aber bald neues Futter.
Warum der Schwimmtest nicht zuverlässig ist
Häufig wird empfohlen, einen Klecks Sauerteig in ein Glas Wasser zu geben. Schwimmt er oben, soll er angeblich backbereit sein.
Dieser Test ist jedoch nicht zuverlässig. Das Ergebnis hängt von der Mehlsorte, der Konsistenz und den eingeschlossenen Luftblasen ab. Ein aktiver Sauerteig kann untergehen, während ein noch nicht ausreichend triebstarker Ansatz schwimmen kann.
Die Volumenzunahme im Glas und die Geschwindigkeit, mit der dein Sauerteig nach dem Füttern steigt, sind die zuverlässigeren Merkmale.
Ist dein Sauerteig noch langsam, füttere ihn einfach einige Tage weiter. Geduld ist bei einem jungen Anstellgut wichtiger als ein fester Zeitplan.
Warum passiert nach dem zweiten oder dritten Tag plötzlich nichts mehr?
Diese Ruhephase ist bei einem neuen Sauerteig vollkommen normal. Die starke Aktivität der ersten Tage stammt noch nicht von einer stabilen Sauerteigkultur. Füttere den Ansatz regelmäßig weiter und halte ihn möglichst gleichmäßig warm.
Wie sollte ein junger Sauerteig riechen?
Während der ersten Tage kann sich der Geruch mehrfach verändern. Mild säuerliche, fruchtige, joghurtartige oder leicht hefige Gerüche sind normal.
Riecht der Ansatz nach Aceton oder Nagellackentferner, hat er meistens Hunger und benötigt frisches Mehl und Wasser.
Wann muss ich den Sauerteig entsorgen?
Bei rosa oder orangefarbenen Verfärbungen, pelzigen Stellen oder eindeutigem Schimmel muss der gesamte Ansatz entsorgt werden. Schimmel darf nicht nur von der Oberfläche entfernt werden.
Auch bei einem fauligen oder stark verdorbenen Geruch solltest du den Sauerteig nicht probieren, sondern neu beginnen. Reinige das Glas anschließend gründlich.
Kann ich den Sauerteig auch mit Weizen- oder Dinkelmehl ansetzen?
Ja, das ist möglich. Roggenvollkornmehl eignet sich für Anfänger jedoch besonders gut, weil es einen jungen Sauerteig meistens schneller und zuverlässiger in Gang bringt.
Ein späterer Wechsel auf Weizen- oder Dinkelmehl ist problemlos möglich. Dafür wird das Anstellgut einfach mehrere Male mit der gewünschten Mehlsorte gefüttert.
Kann ich normales Leitungswasser verwenden?
In der Regel kannst du normales Trinkwasser aus der Leitung verwenden. Das Wasser sollte handwarm, aber nicht heiß sein.
Falls dein Leitungswasser stark gechlort ist oder sich der Sauerteig trotz guter Bedingungen nicht entwickelt, kannst du versuchsweise stilles oder gefiltertes Wasser verwenden.
Muss das Glas offen bleiben?
Nein. Ein locker aufgelegter oder nur leicht zugedrehter Deckel ist besser als ein offenes Glas. Er schützt den Ansatz vor Austrocknung und Verunreinigungen, während entstehende Gase weiterhin entweichen können.